50 Jahre Shiatsu in Deutschland bzw. Europa, das ist genau so lange wie es Shiatsu in Japan gab, als es den Weg in den Westen angetreten ist. In diesen 50 Jahren haben wir viele Erfahrungen gesammelt, haben sich vielfältige Stile entwickelt, Wirkungen auf unterschiedlichen Ebenen gezeigt und große Schätze offenbart. Die Reihe der Symposien – „Was wirkt eigentlich im Shiatsu?“, „Wie viel Spiritualität braucht Shiatsu?“ und nun „Das Mysterium der Resonanz – die Macht der Berührung“ – war von Beginn an als Experiment angelegt. Die Symposien sollten Raum für Austausch über Shiatsu-Erfahrungen eröffnen, um die Entwicklungen, die Shiatsu hier in Deutschland genommen hat, tiefer zu ergründen und am Ende vielleicht festzustellen, dass sich so etwas wie eine eigene westliche Tradition herausgebildet hat – oder gerade dabei ist, zu entstehen.
von Achim Schrievers, Dezember 2025
Ich habe den Eindruck, dass wir aus den ersten beiden Symposien viel gelernt haben und inzwischen ein stimmiges Format gefunden haben. Zu Beginn gab es Impulsvorträge, die den Austausch anregen sollten und jetzt auf unserem Youtube Kanal der Shiatsu Akademie zu sehen sind.
In diesem Nachklang möchte ich vor allem die Teilnehmer:innen selbst mit ihren berührenden Eindrücken und Reflexionen zu Wort kommen lassen.
Eine Rückmeldung lautete: „Es wurde klar: Das Thema ist komplex. Wir näherten uns ihm mit kleinen Übungen
und stellten fest, dass Resonanz auf vielen verschiedenen Ebenen stattfindet. Ich konnte plötzlich einen klaren
Bezug zu Themen herstellen, die mich gerade privat sehr beschäftigen. Das wurde durch die gemeinsame Suche und das
gemeinsame Hinterfragen möglich. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Eine andere Teilnehmerin fasst das Symposium so zusammen: „Was ist Resonanz? Woran zeigt sich Resonanz?
Wie unterscheidet sich Resonanz von Übertragung und Gegenübertragung? Welche Faktoren sind förderlich für Resonanz,
welche hinderlich? Inwieweit beeinflusst meine innere Ausrichtung das Resonanzfeld? Ist Resonanz rein subjektiv
oder lässt es sich an etwas festmachen, belegen? Wie kann ich die Resonanzfähigkeit einer Klientin fördern? Wie
fühlt es sich für mich als Behandlerin an, wenn eine Klientin aus dem Kontakt geht? All diese Fragen haben wir im
Laufe der zwei Tage in uns bewegt.“
Und wieder eine andere Teilnehmerin schreibt: „Wie verlassen sich ein berührter Körper anfühlen kann, wenn
die behandelte Person, in unserer Übung absichtlich, nicht ‚anwesend‘ ist, wie heiß und pochend, geradezu aufdringlich,
wenn die Behandlerin ganz mit ihren eigenen, aufwühlenden Themen beschäftigt ist, wie angenehm zusammen fließend,
tanzend, wenn die Aufmerksamkeit geteilt sein darf, bei sich selbst und auch bei der anderen Person, wie getragen,
gehalten, wenn die Aufmerksamkeit auf das große Ganze ausgedehnt wird.“
Oder: „Besonders berührt hat mich die Übung einer Teilnehmerin: erst mit sich selbst in Resonanz gehen, dann
mit verschiedenen Partnern über die Hände, bis sich schließlich Paare mit weiteren Paaren verbinden – und sich die
ganze Gruppe wie selbstverständlich im Kreis findet.“
Das Resonanzgeschehen, das schon im ersten Symposium als ein wesentlicher Wirkfaktor ausgemacht wurde, ist
fürwahr faszinierend. Am meisten hat mich selbst eine Partnerübung beeindruckt, in der wir eine Stelle am Körper
einfach nur mit der ganzen Hand berührt haben mit drei je zweiminütigen unterschiedlichen Ausrichtungen unserer
Aufmerksamkeit. Nach jeweils zwei Minuten wurde durch ein Klangzeichen der Wechsel angekündigt ohne dass die „Klient:innen“
wussten, welchen Fokus ihre Behandler:innen gewählt hatten. Als mir dann meine Partnerin im anschließenden Austausch
über ihr Erleben berichtete und dieses nahezu eins zu eins meinem jeweiligen Fokus entsprach, wurde mir klar, wie
stark und direkt die Einstimmung unseres Geistes wirkt. Daraus entstand natürlich die Frage, wie ich mich während
meiner Shiatsu-Behandlungen einstimme.
Eine Teilnehmerin schrieb im Nachklang des Symposiums: „Besonders anregend war für mich das feine Spiel der
Unterscheidungen zu erforschen: Was ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Empathie? Mitgefühl statt Mitleid,
Empathie im Unterschied zu empathischem Stress, Beobachten versus echtes Wahrnehmen, Geschehenlassen und doch Intention
setzen. Diese Differenzierungen sind für mich nicht theoretisch, sondern schenken meiner täglichen Praxis mehr Klarheit
und Bewusstheit – und damit auch eine größere Tiefe und Zufriedenheit… …Vielleicht gerade weil das Symposium komplett
non-profit und als Erfahrungsaustausch gedacht war – und eben nicht den Charakter eines Seminars hatte – entstand
ein Raum, der für mich persönlich ungewöhnlich dicht, lebendig und sehr verbindend war.“